„Reale Fiktion“

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013

„Muss man den Begriff von Ethik erst neu definieren, um in der heutigen Zeit nicht dazu zu neigen, zum Massenmoerder zu werden ?“,fragte sich die im Dreck liegende Person in diesem stickig, stinkendem Hotelzimmer.
Tief unter dem Muell auf dem Nick sich befand, konnte man mit viel Phantasie sein Bett erahnen.
Er war fertig und fuehlte weder Geist, noch Koerper.
Fuer ihn war dies der Zustand absoluter Entspannung.
So musste er sonst doch hinter Masken leben, um der Gesellschafft nicht auffaellig zu werden und somit seine eingeschraenkte Freiheit geniessen zu koennen.

„Fick mich du Votze“, lallte ein schlecht gekleideter Herr, waehrend vor ihm weinend die Hure ihren Kopf in seinem Schoss barg.
Er riss sie an den Haaren und zwang sie, in sein Gesicht zu schauen.
„Du magst es doch, wenn ich so rede, nicht?“.
Sie schwieg.
Bombenhagel und schlechtes Essen.
Nick schaltete um, dann machte er den Fernseher aus.
Wie krank muessen diese Menschen sein, die solch ein Fernsehprogramm senden, geschweige die, die sich solche Geschichten ausdenken.
Nick zog seine Stiefel an und oeffnete die Zimmertuer.
Als er den Flur entlangging, erhellte die Nachmittagssonne den Gang.

Draussen auf der Strasse wehten alte Zeitungen durch die engen Gassen und gaben dem staubigtrockenem Spaetherbst das noetige Antlitz.
Nick schlaengelte sich, die Haende in den Taschen vergraben durch die Massen.
Eine alte Dame weinte.
Er zog weiter, blickte hier und dort mal in jenes Gesicht, welches seine Blicke kreuzte und versuchte jedes Einzelne von ihnen zu verstehen.
So viele von ihnen sah er Tag fuer Tag und Tag fuer Tag wurd jedes von ihnen fragwuerdiger.
Womit mochten sie sich beschaeftigen ?
War es der Sex und seine grenzenlose Phantasie, der neunzig Prozent des Denkens jedes Einzelnen und auch der ablaufenden Zeit in Anspruch nimmt,
oder was war es noch ?
Nick drehte sich im Kreis und beschloss, den heutigen Tag nicht so lang werden zu lassen.

Als er am Bahnhof angelangt war, suchte er sofort den Hintereingang auf und ueberflog die Situation.
Es war noch frueh fuer sein Vorhaben, viel zu frueh.
Trotzallem war er nicht der Einzige, denn seit geraumer Zeit wehte hier ein leicht anderer Wind und ein Jeder musste um seine Situation bangen.
Erst kuerzlich dieser Mord, die Leiche, verstuemmelt und zerstueckelt, verteilt auf den verschiedenen Raststaetten dieser verdammten Autobahn.
Murder in your eyes…
Dann dieser Junge, noch nicht vierzehn, den Kopf blutig rasiert und Zigarettenbrandmale auf der Haut.
Fernsehen ?
Nein, diesmal nicht.
Sein halbes Leben hatte er bislang damit verbracht, die schoenen Seiten des Lebens von dieser Seite aus zu erfahren.
War es der Schwanz seines Vaters, der mit acht Jahren schon seine hohlen Wangen fuellte, oder all die Telefonate fuer seine Frau Mutter, die sich schon frueh von ihrem eigenen Sohn verleugnen liess
und ihn somit zur Luege zwang ?
Dieses Leben hatte er sich nicht ausgesucht, doch der Ort hier, der wurd mehr und mehr zu seinem zu Hause.
Ein Wagen fuhr heran und ein Anfang Fuenfzigjaehriger kurbelte das Fenster hinunter:
„Junge, hast du Zeit,- und brauchst du Geld ?“
Nicks Kopf war durchzogen von Schwindel und sein Koerper schmerzte unaufhoerlich.
Er wusste, dieses wuerd nicht besser werden und gesellte sich ein wenig muehsam an den Wagen.
„Was gibt es man ?“, fragte er und wartete auf eine Antwort.
„Komm, steig ein…“
Sie fuhren gemeinsam durch diese Alleen von Menschenhand erschaffener Konsumtempel, deren Schaufensterbeleuchtungen teilweise das Gefuehl
von einem gefuehrten Kreuzverhoer aufkommen liessen.
Nun kreuzten sie den Schlossplatz, fuhren noch eine Weile durch den dazugehoerigen Bezirk und machten sich dann weiter auf den Weg hinaus in die Vorstadt.
Die Stadt erdunkelte langsam und Nick wurde klar, das das hier nicht sein wirklicher Job war.
„Nur noch ein paar Monate“, dachte er sich.
„Nur noch ein paar gottverdammte Monate“.

Nick beschloss die Stadt zu verlassen und packte kurzentschlossen seine Sachen, holte unterwegs seinen treuesten und besten Freund, einen Vierbeiner mit Namen Plastik ab und fuhr gemeinsam mit drei Freunden in Richtung Osten.
Nach sechs Stunden erreichten sie ihr ziel und begaben sich als erstes auf die Suche nach irgendeiner Substanz, die diesen unaufhoerlichen Druck aus dem Kopf verschwinden laesst.
An einem dunklen Bahnhof der U-Bahn schlichen ein paar Araber umher.
Sie verhielten sich in ihrer Muehe nicht aufzufallen sehr verdaechtig und Nick war klar:
„Hier muss es sein…“
Sie hielten und Marc spaehte verstohlen nach draussen.
Der junge vom Bahnhof raunte:
„Brauchst du was?!“
„Ja“,entgegnete Leines und wartete.
„Wir treffen uns in fuenf Minuten an der Ecke zum Park, okay Mann?“, fragte der Suedlaender, ohne nicht wirklich eine andere Moeglichkeit offenzulassen.
„Okay…“,sagte Leines und schloss das Fenster.
Nick drehte sich zur Seite und sah ihn an.
„Weißt du, wo hier der verschissene park ist, Mann ?!“
„Nein, aber glaub mir, wir werden diesen Park schon finden“.
Nick lehnte sich kurz zurueck und bemerkte, das Leines recht hatte, denn wenn es um diese Art von Geschaefte geht, dann kann Gott dich in der Wueste aussetzen.
Sie fuhren los.

Am naechsten Morgen begaben sie sich in ein Cafe, um den Tag zu beginnen.
Nick stand an den Amaturen der dort vorhandenen sanitaeren Anlagen, und zog ein Stueck Seife aus seiner Tasche.
Er wusch sich Haende und Gesicht, dann schlaengelte er sich vorbei an den grauen Anzuegen und nach Billigdeos riechenden Herrschaften.
Er hatte den Eindruck, ihnen allen schon einmal begenet zu sein, doch sicher war er sich da nicht.
Wie er sie verachtete, – jenes schwache Geschlecht.
Er stellte sich die Frage, ob er wohl ein Moerder sei, wenn er jeden Einzelnen von ihnen im Traum umbraechte.
Erverliess den Raum, um an den Tisch mit seinen Freunden zurueckzukehren.
Er vernahm den vonehmlichen Geruch von nicht minderschlechtem Kaffee und setzte sich zu den Dreien.
Sie ueberlegten, wie sie sich den Tag gestalten sollten und beschlossen am Abend dem Nachtleben beizuwohnen.
Zuvor wuerde man die Stadt noch ein wenig erkunden, sich relaxt in einen Park begeben und dort neues, fremdartiges Verhalten beobachten.

Nachdem sie sich geschlagene drei Stunden durch Massen von Menschen draengten, tat sich vor ihnen ein traumhaftes Bild auf.
Aus einer mit Baeumen bepflanzten Gruenanlage, ragten zwei patinafarbene Tuermchen.
Sie waren geschafft, in ihrer Kleinstadtgemuetlichkeit, hindurch durch vier millionen Menschen.
man moege sich nur diese hunderte von verschiedenen Schweissgerueche vorstellen, die ueberdeckt werden, mit anderen koerper, oder koerperaehnlichen Substanzen.
Ein Bauer stinkt, aber wie riecht ein Staedter ?
Ganz einfach.
Er stinkt !
Nun,- und so begaben sie sich hinein in die Bluetenpracht des Parks.
Es war eine Mischung aus Wildwuchs und schlampiggepflegter Gruenanlage. so erschien es auf jeden Fall im ersten Augenblick.
Sie durchstoeberten ihn weiter und kamen an einem kleinen See vorueber, an dem in der Nachmittagssonne zwei spaehrlich bekleidete Personen so eine art Volleyball versuchten.
Es wirkte ein wenig unwirklich und die Vier beschlossen, noch ein wenig umherzustreifen.
Ein grosser Weg offenbarte sich ihnen und sie folgten ihm fuer ungefaehr fuenf Minuten.
Am Ende befand sich ein kleines Schloss mit jenen zwei Tuermen, die man unten von der Strasse aus sah, an denen sich kleine Fabelwesen ihren weg nach oben, oder unten suchten..
Es erweckte den Eindruck, das selbst der Hund von diesem Bild mehr als nur entzueckt war und er rieb zufrieden seine Nase an Nicks Bein.
Wasserperlen streiften die Gesichter und Plastik war nun ganz ausser sich.
Auf dem Vorplatz thronte ein herrlicher Brunnen, dessen Spitze ein neptunaehnlicher Kolloss schmueckte.
Goldene, meist knabenhafte Engel umgaben ihn und Nick ueberfiel ein Schwindel.
Wo befand er sich gerade ?!
Harrte er in der Vergangenheit, blickte er fuer einen Moment aengstlich in die Zukunft, oder fiel es ihm nur mal wieder schwer, mit beiden Fuessen in der Gegenwart zu verweilen, aus Angst, sie wuerde ihn endlos fallen lassen.

„Ein aufgespiesster Schmetterling, ziert die Seiten meines Buches
Traumtrunken laufe ich durch die Kaelte dieser Strassen.
Eine alte Hure stinkt und liebt.
Den Beruf…
Isolation wechselt ihre Kerker von Leid in Gefangenschaft,
waehrend das Blut der Ahnungslosigkeit mein Herz besudelt,
und es gleich einer klaffenden Wunde in der Hitze vertrocknen laesst.
Der Lauf der Waffe, die mir meinen Kopf kuehlt,
stellt mir tausend Fragen.
Graue Masse platzt, klatscht und befreit.
Stummer Schrei erstickt.
Tranzzendal oder natuerlicher Wahnsinn ?!
Natuerlich…
Tranzzendaler Wahnsinn.
Ich liebe deine Schoenheit.
Gibt es ein Schweigen nach dem Tod ?
Wer hat das Recht Dieses zu erfahren ?
Immer wieder vom Augangspunkt zum Anfang,
dann zurueck zum Ende und wieder von vorne.
Lauthals toent der Bauchesschrei.
Ein wilder Vogel fliegt und bricht sich sein Gefieder.
Betaeubt von jenem Schrei taumelt er koordinatenlos durch die Luefte, um am Leben zu zerschellen.
Ein lachender Wurm…
Ein sich windener Mensch in Endlosigkeit.
Liegende Acht.
Wer ist egal.
Du, ich, wir ?
…so sekundaer.
Diskussionen ueber zerrissenes Glueck.
Ueber Bord geworfen, – Denken ersetzt Fuehlen
Und es folgt der Kurzschluss.
Wuerfel werfen Gedanken in zweier, dreier, oder Sechserreihen.
Vorwaerts, rueckwaerts und bitte einmal aussetzen.
Alles ist gar nichts…
…und wir nicht wir.
Warst du du, oder wir ihr ?
Als Kind, im jetzt,
nicht existent,
loest sich das Jetzt im Gestern auf.
Jedes Mal neu.
Die Verachtung kaempft gegen Bereitschaft,
alles zu geben, ganz ohne Bedingung.
Gehasst, was einem selbst zuwider.
Das Gegenueber, das eigene Innere…
ewige Vorhandensein.
Wann tanzt Shiva ?
Sie zieht endlos und verschwindet im Raum.“

Dichtes Wortgemenge, Bilderstrudel und ein Sog aus dem Atem fremder Leute.
Nick schlug die Augen auf und ueberlegte, was geschehen war. er blickte in den blauen Himmel und hoerte das seichte Pletschern von Wasser.
Eine vertraute Zunge durchsteifte sein Gesicht und langsam erinnerte Nick sich wieder an einzelne Bruchstuecke des Gewesenen.
Ja, er muss wohl in einen jener Strudel geraten sein, die ihn seit fruehester Zeit in ihren Bann zogen.
Er kann sich nicht mehr an das erste Mal erinnern, nur das es schon immer da war.
Je aelter er wurde, desto intensiver, farbenpraechtiger und praeziser wurde es.
Damals waren es duenne Kabel die durch Menschenkoerper gingen und intravenoese Ddosen irgendwelcher Substanzen, die er nicht kannte.
Ja, damals hatte er Angst.
Mittlerweile ein alter Hut
Immer noch benommen Griff er nach Jackie und harrte fuer einen kurzen Moment am Zipfel ihres Kleides aus.
Wo findet man in diesem Leben sonst noch Halt, ausser am Kleiderrand einer guten Freundin?
Nun gut, das ein oder andere wird es sicherlich noch geben, aber das hier war eine recht nette Geste Jackies, Nick in gerade diesem Zustand zur vVerfuegung zu stehen.
Sie beschlossen weiterzuziehen und Nick sammelte all seine Kraefte.
Am ausgang des Parkes angelangt, tat sich ein voellig anderes Geschehen auf und gleich wussten sie, das sie wieder, oder eigentlich immer noch in dieser riesigen Trabantenstadt waren.
Die Vermischung von Architektur und Innenraum war hier unglaublich. es gab soviel davon, das man den Eindruck bekam, es gaebe gar keine Aussenraeume, um einfach mal sich und seine Gedanken fliessen lassen zu koennen. viel mehr wurde man von Jahrhundert zu Jahrhundert wechselnder Bausubstanz so umrungen und eingekesselt, das einem die Luft wegzubleiben schien. Es war nicht unschoen, nein eher so umwerfend, das man sich erschlagen fuehlte.
Sie waren hungrig und kamen auf die Idee, irgendwas essen zu gehen.
Marc und Jackie gingen ein wenig voraus und Leines trat an Nicks seite.
„Hey, was war denn da los im Park ?“
„Nichts… “ , antworte Nick wirsch.
Bislang hatte er mit Niemanden darueber gesprochen und das wollte er auch bestimmt mit Leines nicht tun.
Es roch nach Pizza und schon bald sahen sie auch ein italienisches Restaurant, in das sie Einzug hielten.
Sie suchten sich einen Tisch und setzten sich. PlastiK rutschte unter den Tisch und rollte sich gemuetlich zusammen. Er genoss es in solchen Momenten zu den Fuessen der Anderen zu liegen und so bemerkte man ihn nichtmal.
Nach fuenf Minuten stellten sie allesamt fest, das es sich hier wohl um einen Selbstbedienungsladen handele und so beschlossen sie gemeinsam die Speisekarte zu studieren, um dann nach vorne in den Verkaufsbereich zu gehen und zu bestellen.
Gesagt, getan, ein bisschen Funghi hier, mit Salami, ohne Salami, vielleicht ein wenig Knoblauch, auf jeden fall Getraenke.
Der Tisch war also reichhaltig gedeckt und man erfreute sich der guten Kueche.
Nachdem das gemeinsame Mahl beendet war, ueberlegte man kurz, was man denn heute noch so anstellen koenne und beschloss einen Zug durch die hier zahlreich vorhandenen Bars zu machen.
Nach einer Autofahrt von zwanzig Minuten kamen sie in eine Gegend, die ihnen sehr angenehm erschien und sie parkten ihr Auto, verliessen es und hielten Einzug in das naechstbeste Cafe.
Es war sehr angenehm hier, die Musik nicht zu schlecht und die Leute wirkten interessant.
Sie fanden auch gleich einen Tisch, der die gebrauchte Anzahl an Sitzplaetzen aufwies, an den sie sich gesellten und erstmal niederliessen.
Wieder zu ihren Fuessen, ja der gute rosanasige, rehbraune Jagdhundmischling, den Nick so sehr liebte.
Eine, in schwarzem Lederkostuem gekleidete Person begab sich an den Tisch und fragte nach der Bestellung.
Nick, Leines, Marc und Jackie waren sich einig und Nick raunte : „4 Bier waeren super und wenn moeglich eine Schuessel Wasser fuer den Hund.“
„Geht klar…“, entgegnete die duestergekleidete pinkhaarige Bedienung mit einem Laecheln, die ein wenig an eine Person aus irgendsoeinem neumodischen Vampirfilm erinnerte.
So blass und kuehl, dennoch wunderschoen.
Rotes, blaues und purpurfarbendes Licht durchzuckten abwechselnd das innere der Bar, waehrend elektrogitarrendurchwebte Musik durch die Boxen stroemte.
Nick fuehlte sich wohl, waehrend die anderen Drei etwas verloren wirkten. er empfand es als sehr wohltuend, in einer Bar genau die Art von Musik zu hoeren, die er sonst nur von sich zu Hause und einigen seiner Freunde kannte.
Dagegen war das musikalisch absolut nicht das, was die anderen in ihrer Freizeit mochten. dessen ungeachtet gaben sie sich aber verzueckt all den verrueckten Verkleidungen hin, die die Leute fuer diesen Abend scheinbar ausgesucht hatten.

„Are you free, are you free, are you really, really really free…? “ , toente es aus den Lautsprechern in einem Song, der Roman Polanski gewidmet war.
Nicks Herz platzte vor Freude. diese Band kannte bei ihm zu Hause niemand, ausser er. Ihm fiel irgendwann vor einigen Jahren eine Schallplatte in sehr schlechtem Zustand in die Haende, die mit einigen magischen Symbolen versehen war. Nick hatte schon sehr frueh begonnen, sich mit geheimen Orden, verschiedenen Religionen und der Mystik zu befassen, also kaufte er die Platte und war spaeter, als er sie zum ersten mal hoerte sehr beeindruckt. Das, ueber was diese Band da sang, war genau das Wasser, in dem er schwamm. es ging um Manipulation, Korruption und das Geheimhalten von altem Wissen. desweiteren beschaeftigte sich diese Grupppe von Leuten mit Prozessen der Kunst, der Sexualmagie und die Verknuepfung Beider bis hin zur totalen Vision.
Das tat Nick auch. Er wollte nie nur Eines, nein, wo es doch so unendlich viele Moeglichkeiten gab. Die Kunst war sein zu Hause und hier in dieser Stadt drohte er sie zu finden, oder sie ihn.
Dort, wo er herkam, machte man sich ueber ihn lustig, verspottete ihn und denunzierte ihn, als sei er der Leibhaftige persoenlich.
Nun tat sich die Moeglichkeit auf, zu erfahren, was es heisst, wenn man seine Schattenbilder lebt.
Fuer Nick stand fest, er hatte seinen Platz gefunden.
Es war auch das erste Mal kein Problem, an einem voellig fremden Ort zu sein, niemanden zu kennen, geschweige denn, zu wissen wo man bleibt.
All das wird sich finden, wie der Weg hierher.
Mit der Arbeit, die er bislang ausfuehrte, konnte man sicherlich auch hier ein wenig Geld verdienen und er beschloss, sich in den naechsten Tagen nach den dafuer noetigen Moeglichkeiten umzusehen.
Ja, Sex war schon immer ein gutes Geschaeft, denn alles was ein wenig beschmutzt ist wird finanziert.
Je mehr Dreck damit verbunden ist, desto besser laesst sich damit wirtschaften.
Schauen wir doch auf unsere nach aussen so reingewaschene Politik…
Wie leicht laesst sich hier doch das ein oder andere Kapitalverbrechen, oder ein kleiner Mord verschleiern ?!
Im Zweifelsfall schiebt man es Gott in die Schuhe, der ist schon so lange tot, das keiner mehr seine wahre Existenz bestaetigen kann und schweigen tut er, das es fast schon unglaublich scheint.
Tja, der Vatikan heiligt die Mittel und steckt bis zum Hals mit drin.
Hauptsache Kirche voll und Kollekte.
Prost Papst…
Vielleicht sollte Nick auch gleich zur Kirche gehen.
Fuer ein wenig Schwanzlutschen geben die hin und wieder auch mal was von der Kirchensteuer an arme Beduerftige und wenn man gut ist, bekommt man noch ein warmes Bett mit Fruehstueck fuer die Nacht.
Gott sei Dank.

„Hey, mag jemand noch was trinken, oder hauen wir langsam ab und schauen uns nach einem Club um ?“, fragte Leines.
„Mir reicht’s“, entgegnete Nick und gab zu verstehen, das er sich der Mehrheit anschliesen wuerde.
Marc war es egal und Jackie war bereit, die ganze Stadt auf einmal aufzusaugen.
Also zahlten sie und gingen hinaus auf die Strasse.
Draussen war es mittlerweile dunkel und es schien, als wuerde die Nacht ihre juenger
aussenden, um in der Stadt die ihr nachgesagte Abendstimmung zu vermitteln.
Es war herrlich und die Vier gaben sich dem Geschehen voellig hin. manchmal hatte man das Gefuehl, das in jeder Strasse eine andere Kultur anzutreffen sei. Hier ein wenig Islam, dort ein wenig Polen und an einem weiteren Ort sprach man indisch.
Nein, das gab es zu Hause nicht. dort schimpfte man immer noch auf die assozialen Tuerken, welche uns seit den fruehen Achtzigern die begehrten Jobs in den Chemiewerken und den oeffentlichen Toiletten stahlen. Ab und zu klingelten aber auch Zigeuner, welche mit ihren Daimlern umherfuhren an den Tueren und versuchten selbstgehaekelte Spitzendeckchen zu verkaufen. Mancheiner hielt aber auch Diese fuer Tuerken, da alles was nicht deutsch aussah ebenwohl ein Tuerke war.
Mitte der Achtziger gab es dann Kabelfernsehen und mehr Fernsehsender als die ueblichen drei bis vier. Dort fand man dann heraus, das es noch andere Kulturen gab.
Ob die wohl der Grund dafuer waren, das die Tuerken aus den Toiletten und Chemiewerken verschwanden und auch Aerzte werden durften, nachdem sie ihr Studium abgeschlossen hatten?! Fuer die Schwarzen, heute Afroafrikaner genannt, damals Neger, hatte man auch schon die richtige Beschaeftigung. die durften nicht nur in den oeffentlichen Toiletten arbeiten, – nein, manche beschaeftigte man einfach bei Mc Donalds. die sind ja bis heute fuer ihre multikulturellen Beschaftigungsmassnahmen bekannt. gab es hier eigentlich schon mal afroafrikanische Kassierer in einer dieser Filialen?

Ein neuer tag, dieselben Menschen. Nicks wissen wuchs, trotz vorhandener sucht. er tat das, was er immer tat. Beobachten. Er fragte sich, wie weit von man sich entfernt sein muss, um all diese Weltnachrichten so in sich zu verinnerlichen, das man es tatsaechlich schafft, die eigene Auseinandersetzung gar nicht mehr zu spueren und es soweit zulaesst, das man voelligst fremdbestimmt, sich dem hingibt, was jene Grossen dort planen.
Verschwoerungstheorien klingt es aus dem einen Munde, Klugscheisserei aus dem anderen.
Wenn man sie fragt, wissen sie alle keine Antwort. Weltfremde und Schwachmaten.
Computersoftwarehersteller, die die medizinische Versorgung in Suedafrika bestimmen und sich leise in die Weltpolitik schleichen.
Kirchliche Oberhaeupter, die morden lassen und ihr Geld in die Kondomherstellung stecken, zugleich aber behaupten diese seien beabsichtigt mit Viren verseucht, inklusive der Tatsache, das in einer ueberbevoelkerten Welt die Pille verboten werden soll, weil der Kardinal und sein Gefolge es fuer Totsuende halten, aus Spass zu voegeln.
Dabei weiss jeder Zweite, wieviel Spass unter so einer Moenchskutte vonstatten geht.
Doppelmoral ?!
Nein, hier scheint einfach es sich nur um profane Luegen zu halten und das offensichtlich.
Menschen in der ersten Welt werden zugepumpt mit Informationen, Konsumguetern und weiteren nutzlosen Dingen, nur um ihreIntelligenz nicht gaenzlich kennenlernen zu duerfen, da sie sonst zur Gefahr fuer das angeblich demokratische System werden koennten.
Dummhalten durch Beschaefftigung heisst die Devise.
Wer denkt, wird politisch verfolgt, oder fuer wahnsinnig erklaert und landet im Zuchthaus.
Soziales Miteinander zaehlt zum alten Hut und ist in dieser Gesellschaft nicht mehr gefragt.
Ausser in sogenannten Chatraeumen, die online bereit gestellt werden, um sich zur gemeinsamen Krankheitsuebertragung zu verabreden, weil Einsamkeit durch Ficken ersetzt wird.
Profitieren tun dann die Pharmaindustrie, Softwarehersteller und der Vatikan.
Ach, und die Wirtschaftsbosse und ihre Marionettenpolitiker.

Nick wusste das schon lange und bis zu einem bestimmten Grad spielte er dieses Spiel selbst taeglich mit.
Damals wusste er nicht, wie tief er noch in dieses Spiel mit eintauchen sollte.
Wieder dieser Kopfschmerz.
Ein Brennen durchzuckte seinen Schaedel und er suchte die naechste oeffentliche Toilette auf, um diesem Einhalt zu gebieten.
Er setzte sich, holte aus seiner Jacke einen verkohlten Loeffel heraus, streute weisses und braunes Pulver auf diesen und zog sich mit einer Spritze etwas Wasser aus dem Klo.
Zusammen kochte er die Substanzen auf, zog den braunen Saft durch einen Filter in die Spritze und setzte zum naechsten Schuss an.
Es war wie Gold, das durch seine Venen schoss und er liess sich fallen, als wuerde er sich in dem Schoss einer wohsorgenden Mutter befinden.

Nick wollte allein sein. Noch frueh genug sollte seine Bitte erhoert werden. Es war einer dieser Abende, an denen die vier durch irgendwelche Bars zogen und in einer dieser Frau begegneten, die sie zu sich einlud. Sie folgten ihr und verbrachten die Nacht dort. Die neue Bekanntschaft erzaehlte, sie haette am naechsten Tag Geburtstag und wuerde diesen in ihrer Stammdiskothek feiern. Leines, Jackie, Marc und Nick lud sie auch ein.
Nick willigte ein und die anderen Drei sagten, sie wollten lieber was Anderes unternehmen, als einen Geburtstag in unbekanntem Kreise zu feiern. Stadtdessen boten sie an, sich um Plastik zu kuemmern und sich am darauffolgenem Tag wieder in der Wohnung von Marleen zu treffen, wie die neue Bekanntschaft hiess. Alle waren einverstanden.
Am naechsten Morgen erwachten sie alle und begannen den tag mit einem Fruehstueck. Es war spannend, in diesem Bezirk, der erst kuerzlich eroeffnet wurde, so das jeder, der wollte, ihn bereisen durfte.
Eine graue Monotonie aus Plattenbauten, die mittendrin von kuenstlichen Gruenanlagen, oder sogenannten Jugenclubs geschmueckt wurde.
Hier und dort ein wenig antik aussehende Werbung, welche nicht zum Produkthersteller einlaedt, sondern zum Produkt ansich, sowie die Tatsache ansich, das es eine Wohltat fuer das gemuet war, Nicht von Werbetafeln erschlagen zu werden, die einem versuchen, sich von der Massenvielfalt der Industrielandschaft erschlagen zu lassen.
Alles grau in grau und ein wenig braun dazwischen.
Der Tag verging und der Abend rueckte naeher.
Nick und Marleen begannen sich fuer den Abend zu recht zu machen. Dabei fiel Nick eine Taetowierung auf Marleens Oberarm auf.
„Oi – Skinhead“ !
„Was ist das ?“ fragte Nick und Marleen antwortete: „Ich hab da frueher mal mit so ein paar Jungs aus der Nachbarschaft rumgehangen.“
Mehr sagte sie nicht dazu.
Nick dachte sich, es sei schon okay, – so steht ja schliesslich „Oi – Skinhead“ auf ihrem Arm und nicht „Sieg Heil !“.
…wusste er doch nicht, das das Nacheifern von Bewegeungen und Idolen hier sehr aehnlich verlaeuft wie in seiner Heimat.
Sie wissen es nicht und das „A“ im Kreis heisst „Asozial“.

(rue23 / 2013)

Fortsetzung folgt…

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